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Innovationskünstler im Gespräch: Jörn Meißner von Baumüller

Im Podcast "Innovationskünstler*innen im Gespräch" blicken wir hinter die Kulissen, um beispielsweise zu erfahren, was Schwarmintelligenz mit Robotern zu tun hat. Dafür haben wir Jörn Meißner als Gast, bei Baumüller verantwortlich für den Vertrieb der Anlagen-Systemtechnik.

In dieser Woche findet die HANNOVER MESSE Digital Edition statt. Die Hannover Messe ist die führende Wissens- und Networking-Plattform für die produzierende Industrie, die Energiewirtschaft und die Logistik.

Also einer der führender Industrie 4.0 Anbieter ist Baumüller auf der Hannover Messe mit innovativen AMR-Systemlösungen vertreten. Wir wollen hinter die Kulissen blicken, um beispielsweise zu erfahren, was Schwarmintelligenz mit Robotern zu tun hat. Dafür haben wir Jörn Meißner als Gast, bei Baumüller verantwortlich für den Vertrieb der  Anlagen-Systemtechnik. 

 

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© J. Meißner

Nico Kubanek:

Herzlich willkommen zu unserer Reihe „Platz für Innovationskünstler“ dem Podcast, der die Macher hinter den Innovationen in der Metropolregion Nürnberg vorstellt. In dieser Woche findet die Hannovermesse als digitale Version statt. Die Hannovermesse ist die führende Wissens- und Networkingplattform für die produzierende Industrie, die Energiewirtschaft und die Logistik. Als einer der führenden Industrie 4.0 Anbieter ist Baumüller auf der Hannovermesse mit innovativen AMR-Systemlösungen Lösungen vertreten. Wir wollen mal hinter die Kulissen blicken, um beispielsweise zu erfahren, was Schwarmintelligenz mit Robotern zu tun hat. Dafür haben wir Jörn Meißner als Gast. Bei Baumüller verantwortlich für den Vertrieb der Anlagensystemtechnik. Herr Meißner, herzlich willkommen! Erzählen Sie uns doch mal kurz, was genau Sie bei Baumüller machen.

 

Jörn Meißner:

Ja, vielen Dank für die Vorstellung und Grüß Gott aus Nürnberg. Ich bin gelernter Maschinenbauer und habe anschließend Automatisierungstechnik studiert. Mittlerweile sind es fast 25 Jahre anhaltende Erfahrung mit hightech Automatisierung. Und in der Zeit habe ich fast alles erlebt von der Programmierung von Maschinen, Service, dem Leben auf einem anderen Kontinent bis hin zum Vertrieb. Und bei Baumüller bin ich für den Vertrieb von AMRs und für die Automatisierung verantwortlich. AMR, das ist die Abkürzung für autonome, mobile Roboter.

 

Nico Kubanek:

Sie haben es schon angesprochen AMRs sind ja autonome, mobile Roboter. Das ist ja an sich nichts wirklich Innovatives mehr. Aber Baumüller wäre ja nicht Baumüller, wenn ihr da nicht wirklich was Neues, Innovatives ins Leben gerufen hätte. Was ist es, was ihr da genau Neues gemacht habt?

 

Jörn Meißner:

Autonome Fahrzeuge, die gibt es schon seit längerem und die transportieren in der Regel irgendwelche Dinge von A nach B und die Aufbauten von diesen Fahrzeugen, die haben sich bisher maximal auf Fördertechnik beschränkt. Diese Beschränkung? Die kam zum einen durch fehlende Schnittstellen bezüglich Energie und Daten zustande. Zum anderen aber auch, weil der Bedarf an komplexen Aufbauten aus Unkenntnis heraus noch gar nicht existiert. Nun etabliert sich in der Industrie ein Bedarf, wo nicht nur Dinge transportiert werden, sondern ganze Funktionen. Wir setzen also Funktionen oder ganze Geräte auf die autonom fahrenden Fahrzeuge und machen die Geräte flexibler und an mehreren Positionen nutzbar. Und das verändert in der Tat Arbeitsprozesse und Arbeitsplätze und sorgt für nachhaltigen Einsatz von Assets. Stellen Sie sich einfach mal vor, ein Gerät ist fest verbaut und arbeitet nicht kontinuierlich. Zum Beispiel ein Roboter, der zum Sortieren oder zum Bestücken einer Maschine arbeitet. Oder ein Kistenstapler. Den Roboter, den haben Sie bisher mehrfach im Einsatz an verschiedenen Stellen. Und dieser Roboter steht zukünftig auf einem autonomen Fahrzeug und verrichtet an verschiedenen Positionen seine Aufgabe. Und dabei wechselt sogar der Roboter selbstständig seinen Greifer an den verschiedenen Stationen. Sie sparen sich also die Anschaffung mehrerer fest verbauter Roboter und ganz wichtig Platz für deren Aufstellung. Und nebenher sind sie in der Lage, diese mobilen Roboter kollaborativ mit dem Mitarbeiter zusammenarbeiten zu lassen. Und wir von Baumüller arbeiten dabei auch mit anderen Herstellern zusammen, um Funktionen und Assets mobil zu machen.

 

Nico Kubanek:

Was ist das Einzigartige oder das, was bei Baumüller noch mal anders ist als bei den Anbietern, die es vielleicht schon auf dem Markt gibt?

 

Jörn Meißner:

Viele Anbieter, die liefern nur das Grundgerät und lassen den Kunden bei der kompletten Implementation alleine. Beziehungsweise der Kunde muss eine weitere Firma dafür beauftragen. Ganz zu schweigen von komplexen Aufbauten und deren Gesamtverantwortung. Wir liefern im Gegensatz dazu ein Paket, beginnend mit der Beratung über die Entwicklung und Montage spezieller Aufbauten bis hin zum Service. Wir liefern also nicht nur die Komponenten, sondern nehmen die Geräte in Betrieb. Wir entwickeln die Schnittstellen zur Peripherie, also zum Beispiel zu einer Maschine oder die Kommunikations- und Produktionsmanagementsysteme. Und dabei verringern wir natürlich mit dieser kompletten, mit diesem kompletten Anbieten die Schnittstellen in so einer Projektentwicklung.

 

Nico Kubanek:

Sie haben jetzt schon verschiedene Schnittstellen miteinander zu verknüpfen angesprochen, und in diesem Vorgespräch ist der Begriff Schwarmintelligenz gefallen. Was kann ich mir darunter vorstellen und was letztendlich hat das mit Robotern zu tun?

 

Jörn Meißner:

Die Funktion kann man ja auch skalieren, je nach Bedarf. Wenn Sie zu Hause grillen, da reicht ein kleiner Grill für die Familie aus. Kommen jetzt Gäste und der Bedarf an Grillgut wächst, wird entweder ein größerer Grill oder mehrere kleine aus der Nachbarschaft zusammengetragen. Und jetzt stellen Sie sich vor, dass diese Grills anhand der Gästeliste von alleine zu Ihnen kommen und inklusive, also inklusive der Grillkohle, Teller, Stühle und Servietten. Und so funktioniert das auch mit den Armen. Erst reicht die Leistung eines AMR mit aufgesetzter Funktion nicht mehr aus. Dann kommen weitere Arten erst mit dem gleichen Aufsatz zu Hilfe und damit wird die Leistung erhöht. Vielleicht sogar in der Kombination verschiedener Funktionen. Und das nennt man dann Schwarmfunktionalität. Und je nach Anwendung kann das geplant sein oder auf künstlicher Intelligenz basieren.

 

Nico Kubanek:

Sehr, sehr spannend, gerade wenn man sich die selbst anfallenden Grillen vorstellt. Sie haben vorhin angesprochen, das macht man ja auch in Kooperationen mit anderen Anbietern. Und Sie machen das ja jetzt mit einem Hersteller aus Singapur. Wie gestaltet sich so eine internationale Zusammenarbeit?

 

Jörn Meißner:

Das ist hochinteressant. Also meine Historie basiert auch auf viel Internationalität. Und unser Partner in Singapur, die Firma Sesto Robotics, hat schon viele von diesen Geräten im Einsatz und besitzt eine große Erfahrung mit autonomen, mobilen Robotern und damit natürlich auch mit den ganzen Technologien, zum Beispiel mit der Navigation im freien Raum. Und Sesto Robotics, die liefert uns das Basisgerät. Mit der integrierten Intelligenz und zum Beispiel auch dem Management einer ganzen Fahrzeugflotte. Und außerdem hilft uns Setso Robotics mit Trainings und tiefgreifenden technischen Support.

 

Nico Kubanek:

Wir machen das ja gerade parallel zur Hannovermesse. Wobei, eine wirkliche Messe ist es ja eigentlich nicht, wenn man sich einfach nicht mehr sehen kann. Wie kann ich mir so eine Markteinführung von einem neuen Produkt, den aktuellen Zeiten – Pandemiezeiten -  vorstellen?

 

Jörn Meißner:

Ja, in der Tat sind das Hindernisse, denn der persönliche Kontakt und auch die Frequenz mit Besuchern ist bei einer Präsenz Messe einfach höher. Aktuell sieht man das auch an der Zahl der Besucher auf der Hannovermesse. Aber mit diesen Bedingungen hat nun jeder Marktteilnehmer zu kämpfen. Neueinführung von Produkten sind aber schon eine große Herausforderung. Allerdings hat sich jetzt auch die Akzeptanz der Kunden auf elektronische Ansprachen, bedingt durch die Dauer der Corona Epidemie geändert. Die Kundschaft, die kann sich nicht auf Bestandswissen ausruhen. Das ist ganz klar. Das hat man vielleicht vor ein Jahr noch gedacht, dass man ein paar Monate überbrücken kann. Jetzt ist es über ein Jahr und man ist auf die Informationsbeschaffung aus dem Internet angewiesen, um mit Neuerungen oder auf Neuerungen zu reagieren. Virtuelle Messen, Webinare oder online Präsentation, die erhalten einfach eine höhere Bedeutung. Corona hat uns alle gezwungen, die die Arbeitsweise anzupassen und auch zu modernisieren. So hat man vom Homeoffice die Möglichkeit, auch viel mehr Kunden pro Tag virtuell zu besuchen.

 

Nico Kubanek:

Weil ich stelle es mir auch extrem schwierig vor, wirklich sicherzustellen, dass man sich das notwendige Wissen dazu aneignet. „Wie gehe ich eigentlich damit um?“ oder „Wie integriere ich das in meinen Arbeitsprozess?“. Wie stellt ihr das sicher?

 

Jörn Meißner:

Das ist mit Corona nicht immer leicht, denn Fachkongresse zum Beispiel, die boten zum einen die Möglichkeit, Neuigkeiten extrem komprimiert vermittelt zu bekommen. Und als Nebeneffekt könnte man als Vertriebler auch Kontakte knüpfen. Derzeit hat man nur die Möglichkeit, online über Webinare sich weiterzubilden oder eben Vorträge auf virtuellen Messen zu besuchen. Aber selbst das Training mit unserem Partner aus Singapur erfolgt über Internet. Das wäre total kostenintensiv, wenn die Kollegen dann hier rüber fliegen würden, nur für ein Training. Wenn es möglich wäre.

 

Nico Kubanek:

Jetzt reden wir hier über Roboter, die mit künstlicher Intelligenz und Schwarmfunktionalität eigenständig Lösungen entwickeln. Welche Rolle spielt heute da überhaupt noch der Faktor Mensch in dem Zusammenhang?

 

Jörn Meißner:

Der Mensch spielt weiterhin eine große Rolle und wir sehen das auch bei den Beschäftigtenzahlen mit der ganzen Automatisierung. Automatisierung sichert uns hier in Deutschland vor allen Dingen auch Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit. Aber den Menschen, den darf man trotzdem bei der ganzen Automatisierung nicht außen vorlassen. Die Gesellschaft, die kann einfach nicht nur aus Ingenieuren, Lehrern, Ärzten und Pflegekräften bestehen. Hier muss einfach verantwortungsvoll mit der Arbeitskraft „Mensch“ umgegangen werden. Weil, es muss am Ende immer noch Menschen geben und Kunden geben, die das notwendige Geld besitzen. Und in einem Job sich erwirtschaften, um überhaupt die produzierten Waren zu kaufen. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass in Zukunft vielleicht für Roboter eine Art Lohnsteuer gezahlt werden muss, um die freigesetzten Arbeitskräfte zu bezahlen oder deren anderen Funktionen zu bezahlen.

 

Nico Kubanek:

Interessante Vorstellung, dass Roboter Steuern zahlen, zumindest eine Lohnsteuer. Aber ich denke, als abschließende Frage ist das eine gute Überleitung, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Was können wir da noch so in Zukunft erwarten? Oder welche Rolle kann auch künstliche Intelligenz in dem Zusammenhang noch übernehmen?

 

Jörn Meißner:

Auf jeden Fall wird künstliche Intelligenz in Zukunft mehr Bedeutung erlangen. Ich glaube, wir stehen da auch noch in den Startlöchern. Gerade so im Zusammenhang mit der Schwarmfunktionalität ergeben sich da komplett neue Möglichkeiten. Künstliche Intelligenz, die wird teilweise manuelle Entscheidungen und Aufträge erstellen. Die wird Stillstände vorbeugend vermeiden und auf jeden Fall das Gefahrenpotential verringern. Es wird aber nicht den Menschen ersetzen.

 

Nico Kubanek:

Das ist doch ein wunderbarer Schlusssatz, dass wir das gute Gewissen haben und auch in Zukunft doch gebraucht zu werden. Herr Meissner, ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und die Einblicke in das Leben zusammen mit Robotern. Alles Gute für Ihre Zukunft und noch viel Erfolg auf der Hannovermesse.

 

Jörn Meißner:

Dankeschön und ich bedanke mich für das Gespräch.

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